#75

Musik machen mit Reaper

Tuesday, 01. July 2008 - 20:26 Uhr In Erklärbär, Musik | 3 Reaktionen

Gut, es heißt so als ob man damit nur Death Metal machen dürfte, aber dem ist zum Glück nicht so.

Also Reaper. Reaper steht angeblich für Rapid Environment for Audio Prototyping and Efficient Recording, das klingt allerdings schon ein wenig nach hinterher ausgedacht. Egal. Reaper ist reasonably priced, uncrippled unexpiring shareware. Reaper ist eine vollständige Digital Audio Workstation wie Cubase, Logic oder Tracktion, ist allerdings nur 3,2 MB groß und kostet, wenn man denn bezahlen will, nur 50$, oder 225$ für eine komerzielle Lizenz. Es unterbietet in diesem Markt die Konkurrenten in diesen beiden Kriterien schonmal mindestestens um das Zehnfache. Und Reaper ist echt schlank. Man kann es sogar von einem USB-Stick laufen lassen.

Entwickelt wird es von Leuten, die schon bei Nullsoft an Winamp, Gnutella, Shoutcast und spannenderweise auch WASTE gearbeitet haben. Es gibt oft Updates, und man arbeitet sich allmählich auf eine Beta für OS X zu. Auf Windows läuft inzwischen Version 2.301. Man kann auch davon ausgehen, dass das so weitergeht, Geldsorgen wird die kleine Firma Cockos, die Reaper entwickelt, so bald sicher nicht bekommen: Justin Frankel, das Hirn hinter Reaper, ist gut versorgt, 1999 wurde Nullsoft nämlich von AOL gekauft und Frankel mit Aktien ausbezahlt. Wikipedia weiß:

Frankel’s stake of 522,661 shares in the acquisition was worth approximately $59 million.

Quelle

Das ist spannend, denn eines ist sicher: dieser Mensch programmiert nicht, weil er muss, sondern weil er es gerne macht. Gute Voraussetzungen, sofern von dem Geld noch etwas übrig ist. Nun zum Programm selbst.

Habe ich schon erwähnt, dass Reaper schlank ist? Wenn man das Programm ohne VSTs und mit einem leeren Projekt öffnet, ist es einfach sofort da. Wupp. Mit einer ordentlichen VST-Sammlung und einem geöffneten Projekt ist es immer noch schnell. Die UI ist aufgeräumt, ziemlich logisch und sehr flexibel. Überhaupt wird Flexibilität sehr ernst genommen. Man kann alles überall hinrouten, das Interface lässt sich gut den Bedürfnissen anpassen, es gibt viele praktische Aufnahmemodi (z.B. pre- oder post-effects) und alleine fünf verschiedene Modi, Automation zu erledigen.

Es gibt einen eingebauten Media Explorer, von dem aus man alle möglichen Formate (MP3, FLAC, OGG, sogar APE) direkt auf eine Spur ziehen kann, egal welche Bitrate das Material hat. In den Tastatureinstellungen kann man nicht einfach nur Tasten mit Funktionen, sondern gleich mit rudimentären Makros belegen. Ein virtuelles Tastaturkeyboard ist natürlich auch drin. Einige gut durchdachte und qualitativ hochwertige Effekte gibt es auch noch umsonst dazu. Irgendwie scheint es so ziemlich alles zu können, was man jemals brauchen könnte. Falls man noch ein paar andere Rechner rumliegen hat, kann man sie sogar dazu benutzen, über ein lokales Netzwerk Effekte in Echtzeit zu berechnen. Meine Güte, was denn noch alles?

Definierbare Regionen im Projekt, die man per drag and drop neu arrangieren kann, und die alles einfach mitnehmen? Alle Clips auf allen Tracks, mit Automation und allem, egal ob die Clips dafür zugeschnitten sind oder nicht? Klar. Bequemer kann man überhaupt nicht arrangieren. Hochwertiges Timestretching und Pitchshifting? Auch. Tracks als Busse. Tracks als Folder. Unbegrenzte Sends an andere Tracks. Beliebige Hardware-Inputs und Outputs für jeden Track. Eine Routing Matrix, die einem übersichtlich darstellt, was alles gerade von wo nach wo geroutet wird. Alles da, alles ziemlich einfach zu finden und zu benutzen. Und da lauern sicher noch dutzende andere Funktionen, die ich weder begreife noch brauche, und trotzdem habe ich nie das Gefühl, von dem Programm überwältigt zu sein.

Es ist sogar eine Funktion eingebaut, die einem erlaubt, einen anderen Satz Tastaturmakros zu benutzen, wenn gerade aufgenommen wird. Ich drücke also r, um eine Aufnahme zu beginnen, verspiele mich, drücke dann nochmal r, und ein von mir eingestelltes Makro löscht alle aufgenommenen Takes, springt zum Startpunkt und fängt wieder von vorne an. Solche Details begeistern einfach.

Und das alles in 3,2 MB.

Ich bin Fan.

Dazu kommt noch eine sehr aktive Community mit einem anständig gepflegten Wiki voller Tutorials und vor allem auch vielen How To-Videos. Hervorragende Voraussetzungen, wenn man sich diese ganze Musiksache bislang nur aus der Ferne angesehen hat und endlich mal mitmachen will. Wer gerade mit Homerecording usw. anfängt, ist mit Reaper jedenfalls bestens beraten. Viele ältere Musikmach-Hasen sicherlich auch.

#74

In a One Horse Town

Monday, 09. June 2008 - 9:14 Uhr In Alltag und Wahnsinn, Musik | 3 Reaktionen

Überraschung, liebe RSS-Abonnenten (alle drei). Heute geht es um Musik, genau wie letztes Mal, vor fast einem Jahr. Ich schäme mich so. Jetzt aber los.

Habe das Wochenende damit verbracht, woanders zu sein, nämlich in Bralitz und Berlin und dazwischen, on the road, wenn man so will. Das möchte ich vorab schonmal empfehlen: altes Auto, Freunde rein, Musik rein, Fenster runter, los. Kann eigentlich nicht schiefgehen, besonders wenn die Sonne tief steht.

Wir fahren Schlandstrasse

Nun zur Musik, die da lief, in diesem Volvo. Das war eine Doppel-CD compilation mit 39 Songs namens David Shrigley’s Worried Noodles. Ich weiß nicht genau, wer dieser Herr Shrigley ist, aber er kennt wohl viele Musiker. Jedenfalls sind da ganz hervorragende Sachen drauf, manche wohl auch exklusiv. Alte Bekannte, über die man sich freuen kann (Final Fantasy, Deerhoof, Grizzly Bear, Max Tundra) und neue Bands und Leute, über die man sich dann auch freut, weil auch toll. Leider war die Tracklist nicht im Volvo dabei, aber ich habe schonmal rekonstruiert dass ich One von Christopher Francis (influences: Frank Sinatra, Missy Elliott) mochte. One ist irgendwie nacheinander und teilweise gleichzeitig albern, melancholisch, lustig und whoa, düster. Außerdem: crooning. Das geht ja gut los. Herr Francis macht aber auch noch richtig spassige Sachen, z.B. alleine mit Kontrabass aktuelle Hip Hop-Songs covern. Irgendwie erinnert er mich trotz weitestgehend fehlender Gemeinsamkeiten ein wenig an Max Tundra, über den ich eigentlich auch nochmal etwas schreiben wollte.

Jedenfalls werde ich jetzt erstmal dieses Album bestellen, um rauszufinden, von wem der ganze andere tolle Kram war. Und in dem dazugehörigen Buch blättern, um mehr über David Shrigley zu erfahren.

Happy backlit people

In a one horse town
There’s just one horse

#73

Sofort Kaufen: Land of Talk

Monday, 25. June 2007 - 15:09 Uhr In Musik | Eine Reaktion

1. Make incredible music
2. Sell it online without DRM, make purchase quick, easy and painless
3. Profit

Das aktuelle Album Applause Cheer Boo Hiss der wirklich unverschämt wahnsinnig sensationellen ich-will-rumspringen-und-lebensbejahend-Dinge-kaputtmachen-Band Land of Talk kann man jetzt online kaufen. Acht 192kbit/s mp3s, ohne lästiges DRM, für 5,99$. Per PayPal bezahlen, und ein paar Minuten später hat man den Downloadlink zum gezippten Album in der Inbox. Wunderbar.

Wer einen PayPal-Account und 4,50€ hat, sollte definitiv zugreifen. Wer zweifelt, höre sich bitte “Speak to me Bones” auf der MySpace-Seite der Band an. Und springe.

#72

Happy Birthday Ok Computer

Saturday, 16. June 2007 - 11:11 Uhr In Musik | 3 Reaktionen

Heute vor genau zehn Jahren wurde “Ok Computer” von Radiohead in Großbritannien veröffentlicht. Das perfekte Album für das Ende eines Jahrtausends und eine große Vorahnung der Dinge die da kommen würden. Zukunftsangst, Entfremdung, Furcht vor neuen Technologien, Überwachung, Entmenschlichung, Materialismus, Hektik, Oberflächlichkeit, Machtpolitik, Krieg und Tod; an schwer wiegenden Themen mangelt es den Texten wirklich nicht. Und die Musik erst. Völlig außerirdisch, präzedenzlos. So neu, tief, zeitlos, unendlich faszinierend und nie vollständig zu erschließen. Ich habe es hunderte Male gehört, aber aus der epischen Breite und Tiefe sprudeln immer neue Details an die Oberfläche. Wenn bei “Airbag” das Schlagzeug einsetzt bekomme ich immer noch Gänsehaut, und die geht erst mit dem letzten Ton des Albums, dem erlösenden, strahlenden “Pling” einer Mikrowelle, wieder weg.

Wenn ich bis zum Ende meines Lebens nur noch ein Album hören dürfte, es wäre dieses.

Und jetzt noch ein, wie man als englischer Radiomoderator sagen würde, blast from the past:

Radiohead - Airbag (Live at Eurockennes 1997)

(Einbinden geht irgendwie nicht, sorry)

#61

Wir nennen es schon wieder so.

Thursday, 04. January 2007 - 20:53 Uhr In Gestalten, Gestaltung, Musik | 2 Reaktionen

Wir nennen es Wohnzimmer

Habe gestern Nacht und heute 100 handgemachte Flyer für “Wir nennen es Wohnzimmer” gemacht, einer doch sehr gut klingenden Musikveranstaltung im Cafe Cantona.

Wiebke, Martin und Daniel werden dort am 11. Januar Abends allerlei hervorragende, aber tendenziell untanzbare und somit selten aufgelegte Stücke spielen. Musik zum Zuhören eben.