#71

Flickr zensiert

Thursday, 14. June 2007 - 10:52 Uhr In Medien | Comments Off

Warum nur, warum nur. Einer der feinsten Dienste im Netz wird über Nacht unsympathisch. Das Aufkaufen durch Yahoo tut denen eindeutig nicht gut, flickr zensiert nämlich jetzt die Bilder seiner Nutzer. We aus Deutschland, Singapur, Honk Kong oder Südkorea kommt, darf Bilder, die von ihren Erstellern nicht als “safe” geflaggt worden sind, nicht mehr sehen. Da geht es zwar hauptsächlich auf die ein oder andere halbwegs artistisch abgelichtete Brust oder Pobacke, aber darum geht es nicht, es geht ums Prinzip.

Ich bin 27 Jahre alt und darf mir rein rechtlich weit explizitere Dinge ansehen, also was soll diese Zensur? Wem dient sie? Bringt das tatsächlich irgendwem irgendetwas? Es kann doch nicht wirklich um nackte Brüste gehen, wir sind doch nicht in Amerika. Oder ist das, wie so oft, nur der erste Schritt? Wenn erstmal ein Zensursystem implementiert ist, kann man die Filter ja jederzeit problemlos erweitern. Sobald irgendwelchen Innenministern und selbsternannten Sittenwächtern wieder mal irgendetwas missfällt, schicken sie kurz eine Mail mit neuen Filtern an flickr. Es ist doch so simpel, also warum nicht nutzen? Erst sind es nackte Hintern, bald werden dann auch automatisch alle mit “Polizeigewalt” oder “Menschenrechtsverletzung” getaggted Fotos automatisch so geflaggt, dass wir sie nicht mehr sehen können.

Das System ist ja dann schon da, und man muss die Leute ja vor der Wahrheit und sich selbst schützen.

#70

I heart vinyl - why indie labels rock

Thursday, 31. May 2007 - 16:01 Uhr In Medien | Eine Reaktion

Gestern wer ich bei Someone Still Loves You Boris Yeltsin im Molotow. Das Konzert war gut, das Publikum war angenehm und die Band nach dem Auftritt fein gesprächig. Ich verließ das Molotow (dessen Logo übrigens ein Ambigramm ist) zufrieden und mit merchandise beladen, darunter die aktuelle 7″ der Band, und siehe da, man hat verstanden: wer die Platte kauft, darf sich legal die mp3s dazu herunterladen. Best of both worlds. Sub Pop macht das auch schon, spätestens seit dem letzten Shins-Album, und ich hoffe sehr, dass das Schule macht. Yay Polyvinyl und Sub Pop!

I heart vinyl - polyvinyl

#62

Fragen Sie meinen Agenten

Sunday, 21. January 2007 - 20:52 Uhr In Erklärbär, Medien, Uncategorized | 10 Reaktionen

Ich war und bin von Firefox ja sehr angetan, besonders die integrierte, erweiterbare Suchleiste fand ich toll. Google, Wikipedia in Deutsch und Englisch, Leo, IMDB und andere Suchen direkt im Browser, das war schon super. Damit ist jetzt Schluss, die Suchleiste ist weg, die Zukunft hat sich in meinem Browser eingenistet, und sie nimmt noch nicht einmal Platz weg.

Aber mal einen Schritt zurück. Vor langer Zeit, so in der 80ern, dachte man darüber nach, wie toll das wäre, wenn Computer quasi als Agenten (in diesem Fall ein Euphemismus für Diener) fungieren würden, als Botenjungen auf der Suche nach Informationen im damals auch noch ziemlich exotischen Netz. Auf Channel 4 stellte damals Douglas Adams in einer Sendung namens Hyperland diese Idee vor: ein digitaler Butler, dem man einfach sagt, was man will, und der dann loszieht und diese Dinge besorgt. Fein. Was ist nur aus dieser glorreichen Idee geworden?

Digitale Agenten gibt es immer noch nicht wirklich, aber vor ein paar Tagen wurde mir etwas empfohlen, was schon ziemlich nah dran ist, zumindest nah genug, um mich an diese Idee zu erinnern: Serchilo.

Serchilo ist eigentlich nur eine kleine Firefox-Extension, die Suchanfragen an Suchmaschinen weiterleitet. Banal genug. In der Praxis versetzt mich dieses Ding schon seit Tagen in Verzückung. Also: anstatt in der Suchleise eine Suchmachine auszuwählen, definiert man sich Serchilo als Standardsuche in der URL-Leiste. Dann wird alles, was keine URL ist, aber in der URL-Leiste eingegeben wird, von Serchilo verarbeitet. Und was macht das sagenumwobene Ding nun konkret? Folgendes:

  • g “raccoons” - sucht bei Google nach Waschbären
  • gm “Helsinki” - zeigt Helsinki auf Google maps an
  • yt “moped dance” - sucht bei YouTube nach diesen Mopedspacken
  • php rtrim - zeigt direkt den “rtrim”-Eintrag bei php.net an
  • db leipzig,Hamburg - Bahnfahrplan für diese Strecke
  • kino leipzig - zeigt das Leipziger Kinoprogramm an
  • mfg leipzig,berlin - zeigt Mitfahrgelegenheiten für die Strecke an
  • gs zahnarzt,leipzig - Gelbe Seiten-Suche

Und noch einige hundert mehr. Amazon, Ebay, IMDB, Wikipedia, Selfhtml, SNCF, die Bibliothek der HU Berlin, diverse Wörterbücher, Flickr usw. Selber etwas hinzufügen? Total simpel, und die hinzugefügten Suchmaschinen sind dann auch global für alle Serchilo-Nutzer verfügbar.

Warum ist das jetzt so super? Ganz einfach. Es ist die ultimative Metasuche. Ich habe ohne sie einzeln in meine Suchleiste laden zu müssen sofort einige Dutzend für mich stets nützlicher Suchmaschinen zur Hand. Ich muss keine langen Listen durchgehen und die passende raussuchen und anklicken. Ich habe nicht zwei Eingabeleisten am oberen Bildschirmrand. Ich muss für die meisten Suchen nicht einmal nachsehen, die Kürzel sind so gut wie immer logisch und klar. Die Handhabung ist viel näher an diesem Agentengedanken dran: ich schreibe nur db leipzig,berlin und bekomme sofort das, was ich will. Aus meinem Firefox sind ein Haufen UI-Elemente verschwunden, und ich habe mehr Funktionalität mit weniger Mausklicks als vorher. Großartig. Gute Idee, gut umgesetzt.

#54

All things go

Sunday, 08. October 2006 - 15:42 Uhr In Alltag und Wahnsinn, Erklärbär, Medien | 3 Reaktionen

Zeit, wir sollten mal mehr von Dir miteinander verbingen. Du bist immer so schnell weg. Zeitgefühlsmäßig bin ich noch im Mai. Das ist erstens falsch und zweitens besorgniserregend; sowas kann doch nicht gesund sein. Nicht, dass ich so unfaßbar viel zu tun gehabt hätte dass die Zeit nur so an mir vorbeigesaust wäre, nein, sie vergeht einfach unverschämt schnell, ob ich was in ihr mache oder nicht. Sowas nährt den Gedanken, man könne doch am Ende jedes Tages kurz notieren, was man so getan hat. Auch potentiell albern, weil entweder sehr deprimierend, Gedächtnislücken aufzeigend oder dazu prädestiniert, wie all die anderen Dinge, die ich mir vornehme regelmäßig zu machen, dreimal gemacht und dann auf ewig vergessen zu werden.

Heute mit Katinka über den Leipziger Südfriedhof gelaufen. Jener ist, falls man es nicht weiß, ein Parkfriedhof. Kann Spuren von Eichhörnchen enthalten und ist außerdem angenehmer als so ein Standardfriedhof, weil man immer nur ca. 20 Gräber auf einmal sieht. Überall stehen eichbehörnte Bäume (jaja), alles ist verwinkelt, unordentlich und überraschend nett. Dazwischen steht ein ausgesprochen schönes Krematorium, eine Feststellung, die man auch nicht oft im Leben macht. “Du, ich hab heute ein echt schönes Krematorium gesehen.” Nein, kam noch nicht vor.

Gräber gibt es auch, verschiedester Art. Urnengräber, normale Gräber, Krypten, Familiengräber, Monumentgräber und Werbegräber. Auch die. Man muss ja die trauernden Verwandten über ihre eigenen Endlagerungsmöglichkeiten aufklären. Deswegen am Wegesrand: eine Reihe leerer Gräber, mit leeren Grabsteinen, opulent bepflanzt, davor kleine weiße Schilder mit Kontaktdaten des Steinmetzes und des Grabschmückers, dazu noch Steinsorte und eine Liste der lateinischen Namen der verwendeten Planzen. Trotz großer Auswahl mussten wir leider feststellen: alle häßlich. Muss man nicht drunterliegen.

Außerdem: Monumentgräber. Bin mir nicht sicher, ob die so heißen, sie sind es jedenfalls. Da liegen dann ganze Generationen, und neben allen Männern steht ihr Beruf. Neben den Frauen steht nichts. So war das wohl früher. Höhepunkt der Männerzentriertheit: ein Familiengrab mit der Aufschrift “Familie Curt Irgendwas”. Da weiß man nicht mal, wieviele da liegen. Diese Berufslisten sind aber recht spannend. Eine Familie bestand nur aus Buchhändlern und Marineoffizieren, über Generationen hinweg. Macht man heute auch nicht mehr.

Wo ich eigentlich mit dieser ganzen Sache hinwill ist hier: die Kokosinseln. Dort nämlich starb einer der Menschen, deren Grabstein wir heute durchlasen. “Arzt der Emden” stand unter dem Namen, was kurz für Verwirrung sorgte, “aus” dürfte doch wesentlich angebrachter sein, oder wenigstens “der Emdener”. Aber da stand ja noch ein Anker neben dem Grab, und als Todesort wurden eben jene Inseln angegeben, da lag es nahe zu vermuten, dass die Emden ein Schiff sei.

Also nach Hause, Wikipedia bemüht, fasziniert gewesen, wieder was gelernt, diesmal über Kolonialkriege. Was letztlich davon bleiben wird ist das wirklich vollkommen unnütze Wissen davon, dass ein Matrose einer anderen “Emden” von einem Löwen gefressen wurde. Und die Todesursache des Arztes? Australier.

Mein Kopf ist voll mit solchem Kram. Vielleicht, und hier kommt das sehnlichst erwartete rekursive Element, habe ich in den letzten Monaten einfach zuviel bei Wikipedia herumgestöbert. Es macht schon ziemlich süchtig, zumindest kurzfristig. Nur noch ein Link. Och, bitte.

#24

Why we Fight

Saturday, 22. October 2005 - 15:52 Uhr In Medien | Comments Off

Ha, diesmal rechtzeitig: heute läuft um 23:15 - 00:45 Uhr
“Why we fight”, die mit dem großen Preis der Sundance-Jury ausgezeichnete Dokumentation über den militärisch-industriellen Komplex und die Kriege der USA. Höchst interessant und aufschlussreich. Bitte gucken.