Gut, es heißt so als ob man damit nur Death Metal machen dürfte, aber dem ist zum Glück nicht so.

Also Reaper. Reaper steht angeblich für Rapid Environment for Audio Prototyping and Efficient Recording, das klingt allerdings schon ein wenig nach hinterher ausgedacht. Egal. Reaper ist reasonably priced, uncrippled unexpiring shareware. Reaper ist eine vollständige Digital Audio Workstation wie Cubase, Logic oder Tracktion, ist allerdings nur 3,2 MB groß und kostet, wenn man denn bezahlen will, nur 50$, oder 225$ für eine komerzielle Lizenz. Es unterbietet in diesem Markt die Konkurrenten in diesen beiden Kriterien schonmal mindestestens um das Zehnfache. Und Reaper ist echt schlank. Man kann es sogar von einem USB-Stick laufen lassen.

Entwickelt wird es von Leuten, die schon bei Nullsoft an Winamp, Gnutella, Shoutcast und spannenderweise auch WASTE gearbeitet haben. Es gibt oft Updates, und man arbeitet sich allmählich auf eine Beta für OS X zu. Auf Windows läuft inzwischen Version 2.301. Man kann auch davon ausgehen, dass das so weitergeht, Geldsorgen wird die kleine Firma Cockos, die Reaper entwickelt, so bald sicher nicht bekommen: Justin Frankel, das Hirn hinter Reaper, ist gut versorgt, 1999 wurde Nullsoft nämlich von AOL gekauft und Frankel mit Aktien ausbezahlt. Wikipedia weiß:

Frankel’s stake of 522,661 shares in the acquisition was worth approximately $59 million.

Quelle

Das ist spannend, denn eines ist sicher: dieser Mensch programmiert nicht, weil er muss, sondern weil er es gerne macht. Gute Voraussetzungen, sofern von dem Geld noch etwas übrig ist. Nun zum Programm selbst.

Habe ich schon erwähnt, dass Reaper schlank ist? Wenn man das Programm ohne VSTs und mit einem leeren Projekt öffnet, ist es einfach sofort da. Wupp. Mit einer ordentlichen VST-Sammlung und einem geöffneten Projekt ist es immer noch schnell. Die UI ist aufgeräumt, ziemlich logisch und sehr flexibel. Überhaupt wird Flexibilität sehr ernst genommen. Man kann alles überall hinrouten, das Interface lässt sich gut den Bedürfnissen anpassen, es gibt viele praktische Aufnahmemodi (z.B. pre- oder post-effects) und alleine fünf verschiedene Modi, Automation zu erledigen.

Es gibt einen eingebauten Media Explorer, von dem aus man alle möglichen Formate (MP3, FLAC, OGG, sogar APE) direkt auf eine Spur ziehen kann, egal welche Bitrate das Material hat. In den Tastatureinstellungen kann man nicht einfach nur Tasten mit Funktionen, sondern gleich mit rudimentären Makros belegen. Ein virtuelles Tastaturkeyboard ist natürlich auch drin. Einige gut durchdachte und qualitativ hochwertige Effekte gibt es auch noch umsonst dazu. Irgendwie scheint es so ziemlich alles zu können, was man jemals brauchen könnte. Falls man noch ein paar andere Rechner rumliegen hat, kann man sie sogar dazu benutzen, über ein lokales Netzwerk Effekte in Echtzeit zu berechnen. Meine Güte, was denn noch alles?

Definierbare Regionen im Projekt, die man per drag and drop neu arrangieren kann, und die alles einfach mitnehmen? Alle Clips auf allen Tracks, mit Automation und allem, egal ob die Clips dafür zugeschnitten sind oder nicht? Klar. Bequemer kann man überhaupt nicht arrangieren. Hochwertiges Timestretching und Pitchshifting? Auch. Tracks als Busse. Tracks als Folder. Unbegrenzte Sends an andere Tracks. Beliebige Hardware-Inputs und Outputs für jeden Track. Eine Routing Matrix, die einem übersichtlich darstellt, was alles gerade von wo nach wo geroutet wird. Alles da, alles ziemlich einfach zu finden und zu benutzen. Und da lauern sicher noch dutzende andere Funktionen, die ich weder begreife noch brauche, und trotzdem habe ich nie das Gefühl, von dem Programm überwältigt zu sein.

Es ist sogar eine Funktion eingebaut, die einem erlaubt, einen anderen Satz Tastaturmakros zu benutzen, wenn gerade aufgenommen wird. Ich drücke also r, um eine Aufnahme zu beginnen, verspiele mich, drücke dann nochmal r, und ein von mir eingestelltes Makro löscht alle aufgenommenen Takes, springt zum Startpunkt und fängt wieder von vorne an. Solche Details begeistern einfach.

Und das alles in 3,2 MB.

Ich bin Fan.

Dazu kommt noch eine sehr aktive Community mit einem anständig gepflegten Wiki voller Tutorials und vor allem auch vielen How To-Videos. Hervorragende Voraussetzungen, wenn man sich diese ganze Musiksache bislang nur aus der Ferne angesehen hat und endlich mal mitmachen will. Wer gerade mit Homerecording usw. anfängt, ist mit Reaper jedenfalls bestens beraten. Viele ältere Musikmach-Hasen sicherlich auch.

3 Reaktionen auf “Musik machen mit Reaper”

 
  1. Thomas meinte

    Dein letzter Absatz trifft es genau. Danke für die Tipps und die Links und die Vorstellung dieses tollen Programmes. Dann kann ich ja bald mal ins Musikmachen reinschnuppern. :D

  2. martin meinte

    ich warte geduldig auf die osx-version…

  3. Blog von Wolf » Diigo Bookmarks dieser Woche (weekly) meinte

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