Ich bin ja gerne dabei wenn es darum geht, die technischen, organisatorischen und kommunikativen Defizite meiner Universität hervorzuheben und zur Diskussion zu Stellen, heute bin ich allerdings ausnahmsweise mal begeistert. Man hat hier nämlich an verschiedenen Orten der Uni ein für Studenten kostenlos nutzbares WLAN eingerichtet. Es ist schnell, einfach einzurichten und die Verbindung ist auch stabil. Daß ich davon erfahren habe war allerdings eher ein Zufall als eine Folge gut geplanter Kommunkation zwischen Uni und Studenten. Anstatt zB Aushänge an die betreffenden Orte zu hängen oder auf der UNi-Seite einen “NEU! WLAN an der Uni”-Link zu setzen, muß man sich auf der Seite der Unibibliothek erst einmal für den Link “Laptopnutzung” interessieren, was ja doch eher nach Mahnungen der Sorte “klappern sie bitte so wenig wie möglich und machen sie um Gottes Willen den Ton aus” klingt. Naja, und so sitze ich nun in der Bibliotheca Albertina und bin mit meinem Notebook im Netz. Hervorragend. Nie wieder speckige Tastaturen, Mäuse ohne Räder und Signaturen abschreiben anstatt sie einfach irgendwohin zu kopieren. Rosige Zeiten.

Der Winter kann von mir aus gerne so weitergehen, 14 Grad und Sonne, von Weihnachten direkt in den Frühling, wundervoll. Was ich aber eigentlich wollte, ist über das in der Überschrift erwähnte Thema schreiben. Mit dem baldigen Uniabschluss und der seit Jahren nicht endgültig geklärten Frage, was danach kommt konfrontiert, denke ich ab und an an eine Zukunft als… nein, Webdesigner sind picklige 14-Jährige, als Mediengestalter oder Web Developer oder jedenfalls irgendetwas, das nach Qualität und Können klingt und nicht nach Frontpage. Aber auch davon gibt es ja nicht unbedingt wenige, und die Frage ist nun: wo will man hin? Standardseiten für kleine und mittlere Betriebe abspulen, sich selbst ein gutes Set an Komponenten bauen, die man immer wieder recyclen kann, und sich so durch die Monate retten? Oder besser extravagant, cutting-edge und mit wiedererkennbarem, persönlichen Stil auftrumfpen, bei dem Versuch möglicherweise nicht scheitern, und dann am Ende niemanden finden, der dafür bezahlen will? Oder ist das gar nicht die Frage, und eigentlich geht erstmal nur das Unliebsame, später beides, und am Ende das Coole? Oder, um nun vollends wie Carrie Bradshaw zu klingen, wäre es nicht eine bessere Idee, mit dem Geld zu verdienen, was man gelernt hat? Und ab ins nächste Dilemma: was habe ich gelernt in den letzten Jahren Uni? Gerade analysiere ich die Fernsehtrends der 90er Jahre, aber kann man mit so etwas erstens: Geld verdienen und zweitens: glücklich werden? Verstörend. Ist dieses ganze Gestaltergetue nur Wunschtraum und eigentlich doof? Wäre das nicht besser ein Hobby als ein Beruf? Braucht die Welt noch einen autodidaktischen Mediengestalter? Gibt es überhaupt Alternativen? Das Jahr beginnt mit vielen Fragezeichen. Bleibt dran, es verspricht spannend zu werden.

Gerade läuft: Silence in the library

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